Atomenergie

Die Nutzung der Atomenergie ist mit vielfältigen Gefahren für Mensch und Natur verbun­den. Das Reaktorunglück von Tschernobyl hat vor Augen geführt, daß schwerwiegende Störfälle unter Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe bis hin zum Super-GAU mit katastrophalen Folgen niemals auszuschließen sind. Aber auch im Normalbetrieb geben Atomkraftwerke radioaktive Emissionen ab, die zu Erkrankungen wie Leukämie oder zu genetischen Schäden nachfolgender Generationen führen können. Atomkraftwerke produzieren radioaktive Abfälle, deren Zerfall hunderttausende von Jah­ren dauert. Während durch die laufenden Reaktoren immer mehr dieser Abfalle angehäuft werden, ist ihre sichere Entsorgung derzeit weltweit ungeklärt. Die Lösung der heute ver­ursachten Probleme wird damit späteren Generationen aufgebürdet.
Das Ziel ist die direkte Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formatio­nen. An die Sicherheit eines solchen Endlagers ist der Anspruch zu stellen, daß das strah­lende Inventar für alle Zeiten von der Biosphäre abgeschirmt bleibt. Dieses Kriterium ist jedoch weder bei dem in Morsieben bereits betriebenen deutschen Endlager noch bei den geplanten Endlagern in Gorleben und Salzgitter erfüllt. Mit der Standortsuche für ein Atommüllendlager muß völlig neu begonnen werden. Nach der Erarbeitung von Sicherheitskriterien, die an ein Endlager prinzipiell zu stellen sind, sind nicht nur verschiedene Standorte, sondern auch unterschiedliche Gesteinsformationen auf ihre Eignung hin zu untersuchen. Anzustreben ist ein zentrales Endlager für alle Müllarten (schwach-, mittel- und hochaktiv) sowie eine nationale Lösung des Problems. Bis diese gefunden ist, sind die abgebrannten Brennelemente, damit auf gefährliche Transporte quer durch die Republik verzichtet werden kann, an den Kraftwerksstandorten zw,­schenzu lagern. Bei der Wiederaufarbeitung wird nicht nur das Volumen des endzulagernden Atommülls vervielfacht, sondern insbesondere waffenfähiges Plutonium produziert. Weiterhin ist nicht zu verantworten, daß die Behandlung deutschen Atommülls zu massiven nuklearen Ver­seuchungen im Ausland führt, wie dies bereits in Sellafield und La Hague zu beklagen ist.
Unabhängig von unserer Einschätzung, daß es keinen sogenannten inhärent sicheren Reaktor, bei dem auch im Fall einer Kernschmelze keine Radioaktivität nach außen gelangt, geben kann, wäre auch ein solcher mit der unverantwortlichen weiteren Produk­tion von Atommüll verbunden. Von Transporten abgebrannter Brennelemente in sogenannten CASTOR-Behältern gehen auch bei ordnungsgemäßem Ablauf Gefahren für Begleitpersonal und Bevölkerung durch Strahlung aus. Transportunfalle sind in ihren Auswirkungen kaum abschätzbar. Die im Sommer 1998 bekannt gewordenen Verstöße der Atomkraftwerksbetreiber gegen die Sorgfalt bei der Durchführung der Transporte und insbesondere bezüglich der Information über Kontaminationen und Risiken haben das Vertrauen in die Zuverlässigkeit weiter schwinden lassen. Nach Auffassung des NABU hat die Atomindustrie damit auch die Legi­timation