Fazit

Wir haben unsere Überlegungen im Rahmen des Geographie-Unterrichts angestellt, denn obwohl politische Entscheidungsverfahren vordergründig eine rein politische Angelegenheit zu sein scheinen, gibt es doch eine Reihe von geographischen Faktoren, die die Entscheidungen auf EU-Ebene z.T. erheblich beeinflussen.
Die EU reicht von der subpolaren Zone im Norden bis zu den Subtropen im Mittelmeerraum. Allein schon diese Bedingungen sorgen z.B. in der Landwirtschaft für eine unterschiedliche Interessenlage bei den unterschiedlichen Mitgliedsländern. Besonders die Entscheidungen im Ministerrat werden geprägt durch verschiedene Interessen der einzelnen Mitgliedsländer, die aus räumlichen Unterschieden resultieren. Zum Beispiel beeinflußt die Verteilung der Bodenschätze und die Art der Industrie die Energie- und Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer erheblich, und die geographische Lage einzelner Länder wirkt sich auf die Interessen in der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik aus. Unverkennbar werden auch die Interessen auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik durch die sogenannte geostrategische Lage beeinflußt.
Zweifellos verschiebt die Osterweiterung der EU die wirtschaftlichen Potenziale ganz erheblich. Dies ist auch der Grund dafür, dass auf der Regierungskonferenz in Nizza (Dezember 2000) so heftig um die Stimmgewichtung der Mitgliedsländer im Rat der EU gestritten wurde. Solange der Ministerrat das hauptsächliche Entscheidungsorgan im EU-Gesetzgebungsprozess ist, wird die EU-Politik weiterhin im Wesentlichen von regionalen oder nationalen Interessen geprägt sein. Die Orientierung an einem europäischen Gesamtinteresse wird sich erst dann durchsetzten, wenn das Europäische Parlament mehr Entscheidungsbefugnis erhält. Das setzt allerdings voraus, daß im Rahmen einer europäischen Verfassung bestimmte Politikbereiche definiert werden, für die das Europäische Parlament vorrangige Entscheidungskompetenz haben soll.